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  1. Januar 2019 um 13.20 Uhr

Eine junge Journalistin der regionalen Zürichseezeitung mit Büro in Wädenswil ruft an. Sie hätte den Artikel in der NZZ gesehen. Da es sich um ein regionales Thema handle, bekam sie den Auftrag auch einen Artikel zu schreiben.

Sie hätte einige Fragen. Hm

Ich bat sie mit Herrn Leisi Kontakt aufzunehmen. Er hatte bereits eine Variante für die Lokalzeitung ausgearbeitet. Doch nun kommt Medienpolitik dazu. Die Zürichseezeitung gehört TA Media, dem Konkurrenzkonzern der NZZ.

Man hätte intern entschieden das Angebot von Herrn Leisi abzulehnen und selbst zu schreiben. Das ist ein Entscheid. Er kann, wenn genug Zeit zur Recherche zur Verfügung steht, zur Meinungsvielfalt beitragen.

Die junge Frau wollte mich nur kurz ca 10 Minuten befragen. Bei mir leuchteten rote Warnlampen auf. Wie kann sie innert so kurzer Zeit die Komplexität verstehen? So bat ich sie, die Chronik auf meiner Website zu lesen. Sie könne mir per mail schon einige Notizen und Fragen schicken, die ich ihr dann beantworten würde. Ich bot 17.00 Uhr als nächsten Telefontermin an. Ich erhielt kein Mail der jungen Frau. Ihre Mail ID musste ich in meinem Umfeld, wo man die Journalistin persönlich kennt, erfragen.

 

17.00 Uhr

Pünktlich kommt der Anruf. Die Gemeinde hätte bereits auf ihre Anfrage schriftlich Stellung genommen. Offenbar hatten die Behörden die Mail ID erhalten.

Die Journalistin erzählt, dass sie meine ganze Chronik ausgedruckt hätte. 76 Seiten!

Es zeigte sich schnell, was ich befürchtet hatte: innert kürzester Zeit arbeitet man sich nicht in diese Materie ein, um sie dann kompetent und korrekt in den Fakten einer regionalen Leserschaft vorzulegen. Der Artikel sollte bereits am nächsten Tag erscheinen. Ich hörte. Ich staunte. Ich wunderte mich.

Schon der letzte Abschnitt im Artikel der NZZ bereitete der Lokaljournalistin Verständigungsschwierigkeiten. Ob ich auch eine Villa in Stäfa hätte… wie, wo, was…

Es wurde offenbar, dass die junge Frau diese Aussage:

«Man dreht einen Kinofilm in einer Villa in Stäfa und sucht für drei Monate Räumlichkeiten, die für die ganze Filmcrew Platz bieten, um in den Drehpausen auszuruhen oder die Maske zu machen», so Henggeler. «Das wäre eine gewerbliche Nutzung, und ich könnte meine gesamten Räume vermieten.» nicht verstehen konnte. Sie gab auf und meinte, diesen Teil würde sie weglassen.

Stockwerkeinheit versus Stockwerk war ebenfalls eine Knacknuss. Zwei Stockwerkeinheiten auf einem Stockwerk? Wie soll nun das gehen? JA, das geht. All die Verständnisschwierigkeiten der jungen Journalistin hier aufzulisten hätte zwar einen gewissen erschreckenden Unterhaltungswert, doch ich lass das mal bleiben. Es war nichts als peinlich.

Ja, es braucht mehr als 10 Minuten, um sich in diese komplexe Materie einzuarbeiten damit man das Produkt nachher mit gutem Gewissen veröffentlichen und als ausgewogen und seriös bezeichnen kann.

Ich versuchte die Fakten klarzustellen. Das war fast nicht möglich, obwohl sehr viele Dokumente vorlagen. Doch die Frau musste schnell arbeiten. Sie versprach mir um 18.30 Uhr den Text, welcher unser Gespräch betraf, zum Gegenlesen zuzustellen. Den Teil der Gemeinde durfte ich nicht lesen. So funktioniere die journalistische Arbeit. Ok!

 

18.32 Uhr

Die Journalistin ruft an. Kein Mail wurde geschickt. Ich bin gerade mit jemandem im Gespräch.

 

18.37 Uhr

Ich rufe zurück. Die Frau hat ein Problem.

Während sie beim Gespräch um 17.00 Uhr bereits die Auskunft des Gemeindeschreibers schriftlich vorliegen gehabt hatte, hätten sich die Fakten seitens der Gemeinde geändert. Offenbar hat der Gemeindeschreiber nach Feierabend mitgeteilt, dass man mir für die ganze Etage ein Verbot für Beherbergung gegen Bezahlung erlassen hätte. Was die Bausekretärin am 12.2.2015 geschrieben und der Bauvorstand im April 2015 gesagt hätten, wären Missverständnisse, liess der Gemeindeschreiber offenbar wissen.

Das ändere die ganze Geschichte für sie, sagt die Journalistin. Jetzt beginnt, was ich als eine Art Verhör empfand. Auf Biegen und Brechen wollte sie von mir hören, dass ich genau gewusst hätte, dass ich grundsätzlich keine zahlenden Touristen beherbergen dürfe. Anders gesagt hätte ich wissen müssen, dass Aussagen einer Bausektretärin und eines Bauvorstandes keine Relevanz hätten und möglicherweise falsch seien. Man muss also davon ausgehen, dass weder Bausekretärin noch Bauvorstand ihre Materie kennen. Es ist sozusagen die Aufgabe der Bürgerin deren Inkompetenz festzustellen. (sorry to say, doch in letzter Konsequenz ist es das).

Als ich verweigere, zu bestätigen, was ich nicht bestätigen kann, wird die Journalistin grosszügig. Auf Grund der Schwierigkeit der Faktenlage könne sie den Artikel nicht mehr an diesem Abend fertig schreiben. Sie müsse das verschieben. Mittwoch/Donnerstag sei sie in einer Weiterbildung. So könne ich mir das alles in Ruhe nochmals überlegen und darüber schlafen. Wie tönt denn das?

Nun reichte es mir definitiv. Ich bat sie, ab sofort nur noch mit meinem Anwalt in dieser Sache zu reden.

Wenn ich mir die Konsequenz der Aussage des Gemeindeschreibers und all die Drohungen, die im «Beschluss» vom 30.10.18 ausgesprochen wurden vorstelle, dann heisst das:

Die Gemeinde droht mir all meine Räume, inbegriffen meine Betriebsleiterwohnung, auf meine Kosten zu räumen und zu versiegeln.

Da bleibt die Frage: Werde ich dann ohne Möbel eingesperrrt oder werde ich enteignet und auf die Strasse gestellt?